Soviel Rente benötige ich wirklich

Aktualisiert: Jan 8

Falls ihr den Artikel „Die Rentenlücke – Minde the Gap“ gelesen habt, wisst ihr bereits, dass es wichtig ist bereits heute zu wissen, wieviel Rente ihr im Renteneintrittsalter benötigt. Doch wie kalkuliert man das? Genau darum geht es in diesem Artikel. Zunächst wollen wir unseren Bedarf im Rentenalter abschätzen. Anschließend widmen wir uns der Frage wie hoch die gesetzlichen Rente ausfällt und wie groß die daraus resultierende Differenz ist. Diese Differenz ist die sog. Renten- oder Vorsorgelücke.


Ratgeber die euch sagen, dass 70% eures letzten Nettolohns als Rentner ausreichen, sind sehr charmant, da ihr nicht viel überlegen braucht. Letztes Nettogehalt mal 0,7 und fertig. Jedoch halte ich diese pauschale Angabe aus zwei Gründen für schwierig.


  • Ihr wisst nicht wie hoch euer letzter Nettolohn ausfallen wird.

  • 70% sind bestimmt ein guter Mittelwert, aber für euch persönlich ist dieser Wert ungenügend und als Schätzung nicht zu gebrauchen.


Nagelt mich jetzt bitte nicht auf die 70% fest. Es gibt andere Quellen, in denen von 80 oder 90% die Rede ist. Mir geht es jedoch nicht um die Prozentzahl, sondern um die Pauschalisierung des Rentenbedarfs. Jeder von uns ist verschieden, hat andere Ansprüche, Voraussetzungen und Vorstellungen. Zusätzlich ändern sich diese Dinge im Laufe der Zeit. Daher solltet Ihr euch auch die Mühe machen und an dieser Stelle genauer hinschauen.


In dem Artikel „Die Rentenlücke – Mind the Gap“ habe ich geschrieben, dass ich heute aktuell mindestens 2204€ benötige. Im Jahr 2053, meinem reguläres Renteneintrittsalter, hat sich dieser Bedarf aufgrund der Inflation (1,71% pro Jahr) auf 3847€ (netto) bzw. 5034€ (brutto) hochgeschaukelt. In dem Artikel habe ich euch aber nicht verraten, wie dieser Betrag (2204€) zustande kommt. Hier besteht Nachholbedarf! Daher widmet sich dieser Artikel genau diesem Thema.


Bedarf ermitteln

Bei der Ermittlung des Rentenbedarfs geht es tatsächlich nur um den Grundbedarf. Der Grundbedarf setzt sich aus allen heutigen Kosten, die Ihr zum (soliden) Leben benötigt, jedoch zunächst ohne Ausgaben für

  • Reisen/Urlaube

  • Größere Anschaffungen wie Möbel/Auto usw.

  • Vorsorgebeiträge in Riester/Rürup/Lebensversicherungen

  • Hobbies

  • Sparraten

Warum werden diese Positionen vorerst nicht berücksichtigt? Ausgaben für Rürup, Rieser oder Lebensversicherungen werden natürlich bei Renteneintrittsalter automatisch wegfallen. Daher ist es völlig klar, dass wir diese Positionen aus der Ermittlung rausstreichen. Versicherungen, die altersunabhängig sind, wie beispielsweise Haftpflicht, Hausrat usw. gehören jedoch mit zum Grundbedarf.


Die restlichen Ausgaben (Urlaube, Hobbies, Sparraten, größere Anschaffungen usw.) benötigt ihr nicht zwingend für die Bewältigung eures Lebens. Diese Dinge stellen größere Luxusausgaben dar und werden daher zunächst erstmal nicht berücksichtig.


Laut statistischem Bundesamt geben die Deutschen pro Haushalt (2 Personen, 75qm Wohnfläche) ca. 2500€ pro Monat aus, wobei die Hauptkosten die folgenden sind:

  • Wohnen 35,6%

  • Nahrung/Getränke/Genussmittel 13,8%

  • Verkehr 13,8%

  • Freizeit/Kultur 10,3%

  • Übernachtungen und Gaststätten 5,8%

  • Innenausstattungen 5,6%

  • Bekleidung 4,4%

  • Gesundheit 3,9%

  • Andere Waren und Dienstleistungen 3,6%

  • Kommunikation 2,5%

  • Bildung 0,7%


Um euch das Leben einfach zu machen, habe ich ein kostenloses Tool gebastelt, mit dem Ihr euren heutigen und zukünftigen Bedarf ermitteln könnt. (Das Tool "Vorsorgelücke Advanced" findet ihr im Download Bereich). Dazu könnt ihr entweder eine Schätzfunktion nutzen oder eure konkreten Daten. Natürlich müsst ihr dann euren Bedarf mit etwas mehr Tipparbeit in das Tool eingeben. Um euren Bedarf zu ermitteln, sind drei Schritte notwendig.


  1. Tool herunterladen

  2. Eure heutigen Kosten tabellarisch eingeben oder die Schätz-Funktion nutzen

  3. Aus dem letzten Rentenbescheid das Renteneintrittsjahr sowie den Brutto-Rentenbetrag ohne Anpassung eingeben

  4. Fertig!

Tool herunterladen

Im Download-Bereich könnt ihr das Tool herunterladen. Die Nutzung ist kostenlos. Zusätzlich gibt es eine kleine Anleitung wie das Tool funktioniert und zu nutzen ist. Wenn ihr das Tool das erste Mal startet, sehr ihr folgendes Interface.


So sieht das Dashboard des Tools Vorsorgelücke Advanced aus. Auf der linken Seite befinden sich die Eingabefelder und auf der rechten Seite das Ergebnispanel.
Dashboard des Tools "Vorsorgelücke - Advanced"

Der rot umrandete Bereich ist der, in dem ihr Eingaben tätigen könnt/müsst. Die gelb markierten Felder in diesem Bereich sind Pflichtfelder. Die grün markierten Felder (oben rechts) sind optionale Felder. Hier könnt ihr, müsst aber nichts eingeben.


Bedarf heute und als Rentner ermitteln

Auf der linken Seite des Dashboards könnt ihr eure heutigen Kosten/Ausgaben eintragen. Die Kategorien sind, wie oben bereits erwähnt, in Wohnung, Unterhaltskosten, Sonstiges und Luxusausgaben unterteilt.


Ganz oben auf der linken Seite könnt ihr entscheiden, ob ihr die Schätzfunktion nutzen wollt oder nicht. Die Schätzung basiert auf den durchschnittlichen Ausgaben der deutschen Haushalte aus dem Jahr 2019.


Hier können Sie angeben, ob Sie die Kosten schätzen lassen wollen oder nicht. Wenn ja, dann sind zwei weitere Eingaben notwendig. Einmal die Anzahl der Personen sowie ihr Lebensstiel.
Eingabefeld Persönliche Daten

Falls ihr euch dafür entscheidet die Kosten zu schätzen, müsst ihr noch die Anzahl der Haushaltsmitglieder sowie euren Lebensstiel angeben. Hier könnt ihr zwischen sehr sparsam, sparsam, normal, gehoben und luxuriös wählen. Wenn ihr die Kosten schätzt, werden die Felder in den Kategorien Wohnung, Unterhalt, Sonstiges und Luxusausgaben ausgegraut und sind nicht aktiv. Nur der Betrag, welcher als Zwischensumme erscheint, ist der mit dem gerechnet wird.


In den folgenden Eingabefeldern, können Sie ihr Kosten für Wohnung, Unterhalt, Sonstiges und Luxusausgaben eintragen. Wenn Sie die Schätz-Funktion genutzt haben, werden diese Felder automatisch ausgefüllt.
Kostenpositionen zur Berechnung des Bedarfs

Entscheidet ihr euch dafür alle Kosten individuell einzugeben, so müsst ihr bei „Kosten schätzen“ nein wählen. Nun, sind die Felder in den Kategorien Wohnung, Unterhaltskosten, Sonstiges und Luxusausgaben aktiviert und die Zwischensummen berechnen sich auf Basis der einzelnen Positionen.


Ihr könnt auf der linken Seite natürlich noch weitere Beträge für Luxusausgaben bzw. größere Anschaffungen angeben. Das ist völlig legitim. Beispielsweise wird es so sein, dass ihr auch im Rentenalter euch evtl. nochmal ein neues Auto zulegen wollt oder müsst. Daher könnt ihr hierfür natürlich einen gewissen Sparbetrag vorsehen. Ganz unten auf der linken Seite erscheint dann der Nettobetrag den ihr heute mindestens benötigt um euren Lebensunterhalt zu finanzieren.

Rentenbescheid Im zweiten Schritt müsst ihr euren letzten Rentenbescheid raussuchen und zwei Informationen hier eingeben. Zum einen das Jahr, wann ihr eure gesetzliche Rente erhalten werdet und zum anderen euren aktuellen gesetzlichen Rentenbetrag. (Falls ihr noch nie genauer euren Rentenbescheid angeschaut habt, hilft euch dieser Artikel „Rentenbescheid richtig lesen und verstehen“). Diese Informationen kommen im Tool oben in die Mitte.


Ergebnis Jetzt macht das Programm mehrere Dinge für euch. Zunächst wird aus eurem heutigen Nettobedarf für das Jahr, in dem Ihr in Rente geht (beispielsweise 2052) eine Inflationsbereinigung sowie eine Umwandlung in einen Bruttobetrag vorgenommen. Das Ergebnis dieser Rechnung wird im Tool ausgegeben. Im oberen Beispiel entspricht der Netto Rentenbedarf 3075€ und der Bruttowert 3945€. Wie ihr aus dem Artikel „Die Rentenlücke – Mind the Gap“ wisst, werden auch im Rentenalter einige Dinge abgezogen, daher ist der Bruttobetrag immer höher als der Nettobetrag.


Als nächstes wandelt das Programm den von euch eingegebenen Brutto Rentenbetrag unter Berücksichtigung der Inflation (1,71%/Jahr) und der durchschnittlichen Rentenanpassung (1,69%/Jahr) in die zu erwartende Rente im Jahr 2053 um. Hier im Beispiel sind das 2967€. Das Ergebnis wird zusätzlich im Tool noch grafisch ausgegeben.


Let‘s make an example In dem Artikel „Die Rentenlücke – Mind the Gap“ gehe ich auf das Thema Rentenlücke an meinem Beispiel ein. Hier habe ich für euch mal exemplarisch das Dashboard mit meinen Daten gefüllt. Im Gegensatz zu dem Betrag von 2204€, den ich oben bzw. im Artikel „Mind the gap“ erwähnt habe, steht hier nun ein höherer. Das liegt daran, dass ich den Bedarf meiner Partnerin mit einbezogen habe. Nicht aber den unsere Tochter. Warum? Weil im Jahr 2053 unsere Tochter wahrscheinlich nicht mehr bei uns wohnt und somit auch keine weiteren Unterhaltskosten erzeugt.


Hier sehen sie das Dasboard des Tools "Vorsorgenlücke - Advanced". Auf der linken Seite sind die Eingabefelder und auf der rechten Seite der Ergebnisbereich. Ihr Einkommen als Renter sowie die Rentenlücke oder der Überschuss wir ebenfalls visuell angezeigt.
Dashboard des Tools "Vosrogelücke - Advanced"

Wie ihr sehen könnt, beträgt meine Rentenlücke ohne zusätzliches Einkommen im Rentenalter 1700€. Inkl. Der zusätzlichen Einkommen ist die Lücke geschlossen. Es ist sogar so, dass wir dann gut 1000€brutto mehr zur Verfügung haben. Doch wie sieht das ganze aus, wenn wir uns ein bisschen Luxus gönnen wollen? Würden wir zusätzlich noch Sparraten für ein neues Auto (300€) und Urlaub (300€) einrechnen, sieht das Ergebnis ganz anders aus und der Puffer von +1000€ hat sich in ein Defizit von 300€ gewandelt.


Ihr seht also. Wenn ihr ein bisschen mehr im Rentenalter vom Leben haben wollt, dann müsst ihr aktiv werden. Auch ich habe jetzt noch ein ca. 30 Jahre, um unseren Puffer aufzubauen. Besser heute als morgen. Um euch einige Ideen zu geben was ihr machen könnt, empfehle ich euch den Artikel „Rentenlücke schließen – Close the Gap“.


Verschafft euch einen Überblick Jetzt wisst ihr nun, wie ihr euren Bedarf abschätzen könnt. Entweder mit Zettel, Stift und Taschenrechner, mit einer eigenen Excel Liste oder mit dem hier verfügbaren kostenlosen Tool. Wichtig ist nur, dass ihr heute eine Bestandsaufnahme macht, um zu wissen wie bei euch die Lage ist. Ist die Lücke einmal identifiziert, könnt ihr euch damit befassen, wie diese zu schließen ist. In dem Artikel „Rentenlücke schließen – Close the Gap“ gebe ich euch konkrete Ideen und Vorschläge.


Viele Grüße und gutes Vorsorgen,

Matthias

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